Angst-, Zwangsstörungen und Phobien

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Zwangsstörungen und Phobien


Was sind Angst-, Zwangsstörungen und Phobien? 

Wie der Name schon sagt, geht es bei diesen Störungsbildern um Angst. Angst kann allgemein als generalisierte Angststörung oder spezifisch, bspw. als soziale Phobie oder Angst vor Spinnen und in sehr starker Form als Panik auftreten.


Zwangsstörungen äussern sich im unfreiwilligen bzw. zwanghaften Wiederholen bestimmter Tätigkeiten. Wenn einmal gründlich Händewaschen vor dem Essen nicht mehr reicht, dann sind das erste Anzeichen einer Zwangsstörung. Aber was hat das mit Angst zu tun? Angst ist der Auslöser für dieses Verhalten. Bspw. die Angst sich mit etwas zu infizieren. Die Zwangsrituale geben Sicherheit und lassen die Angst aushaltbar werden. 5 bis 10 von 100 Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter einer solchen Störung. Frauen sind dabei erheblich häufiger betroffen als Männer. Sie treten in unterschiedlichen Verlaufsformen und Schweregraden auf.


Wie entstehen Angst-, Zwangsstörungen und Phobien? 

Alle psychischen Krankheiten entstehen aus drei wesentlichen Komponenten: 


  1. Biologische Komponenten:
    bspw. genetische Aspekte, wie bspw. Eltern mit Angststörungen und Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn (hier setzen Psychopharmaka an).  
  2. Psychologische Komponenten:
    bspw. Muster der Verarbeitung, wie in der Kindheit keine sichere Bindung zu den Eltern, Traumatisierungen, etc.
  3. Soziale Komponenten:
    belastende Lebensumstände, wie bspw. Arbeitsplatzverlust, Trennung, etc. die ggf. eine Angststörung auszulösen vermögen.


Dies nennt man dann auch das biopsychosoziale Modell. Es entsteht eine Anfälligkeit/Verwundbarkeit - der Fachbegriff dafür ist Vulnerabilität - und die Krankheit kann auftreten. Ganz so, wie man anfälliger für eine Erkältung wird, wenn man sich im Winter nicht warm genug angezogen hat für einen Spaziergang. Durch Angst entsteht Vermeidung und in Folge eine Art Teufelskreis der Angst. 


Was kann ich bei Angst-, Zwangsstörungen und Phobien selber tun?

Problematisch wird die Angst zumeist erst dann, wenn die Angst vor der Angst immer stärker wird. Wenn jemand Angst vor Spinnen hat, dann kann das im Alltag ärgerlich sein. Wenn diese Person dann aber anfängt, auch den Keller zu meiden und später alle Räume, die nicht vorher kontrolliert wurden, dann beginnt der Teufelskreis, d.h. Vermeidung als Angst vor der Angst.


Denn wenn man alle Situationen meidet, in denen man mit der Angst konfrontiert werden könnte, dann bestätigt sich die Annahme ja sozusagen von selbst, dass Spinnen oder auf was sich die Angst auch immer bezieht, sehr gefährlich sind und gemieden werden müssen. Der Alltag von betroffenen Personen wird mehr und mehr eingeschränkt. Und diese Einschränkung gilt es zu durchbrechen.


Nur wer aktiv trainiert, dass man einen Raum betreten kann in dem Spinnen sein könnten, wer sich in weiteren Schritten auch der Gegenwart einer Spinne aussetzt, wird die Angst überwinden können. Man nennt dies Konfrontation und es geht überraschend schnell, bis man die ersten Erfolge erzielt. Wenn Sie das nicht alleine schaffen, gar Gedanken über Selbstmord auftreten, oder dieser Zustand schon mehrere Monate andauert, dann ist es Zeit sich professionelle Hilfe zu holen. 


Welche Hilfe kann mich mir holen?

Angststörungen können mit Medikamenten (Beruhigungsmittel, Benzodiazepine) oder Therapie behandelt werden. Die Behandlung mit Beruhigungsmitteln kann allerdings nur kurzfristig erfolgen, weil die Wirkung der Mittel schnell nachlässt und zudem die Gefahr einer Abhängigkeit besteht. Das Mittel der Wahl ist hier begleitete verhaltenstherapeutische Konfrontation. Sie müssen sich das so vorstellen, wie bei einem Personal Training im Sport. Ab und an gibt es Situationen, wo man allein nicht weiterkommt. Dann braucht es Unterstützung. Unterstützung, die mir hilft den nächsten Schritt zu tun, um danach wieder allein weitermachen zu können. 


Was können Freunde oder Angehörige tun?

Angststörungen sind eine Krankheit wie jede andere auch. Sie ist zurückzuführen auf Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn. Trotzdem besteht bei psychischen Krankheiten oft das Vorurteil, dass man sich nicht so anstellen solle, sich nicht hängen lassen, etc. Wenn die betroffene Person dieses Gefühl hat oder das Umfeld versucht dies der Person einzureden, dann sollten Sie helfen, dies zu korrigieren. Psychische Krankheiten wie Angststörungen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen oder verdrängt werden. Das kann aber passieren, wenn man befürchten muss oder auch selbst der Auffassung ist, dass man nicht krank ist, sondern sich einfach nur nicht so anstellen sollte. 


Dem/der Freund*in oder Angehörigen dabei zu helfen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass es sich hier um eine Krankheit handeln könnte, für die man sich nicht schämen muss, die viele in ihrem Leben einmal betrifft und die zu behandeln ist, wie andere Krankheiten auc, ist ein erster wichtiger Schritt. Wenn Sie der betroffenen Person dann noch helfen, aus dem Teufelskreis auszubrechen, in dem Sie gemeinsam etwas unternehmen und ggf. auch bei der Suche nach professioneller Unterstützung helfen, dann sind Sie auf einem sehr guten Weg.